Bericht: Exkursion zur International School of Holocaust Studies in Yad Vashem/Jerusalem (von Marvin Rees)

Das Feld der Schweizer Hochschullandschaft ist dicht bestellt. Die Universitäten konkurrieren um Studentenzahlen, Fördergelder und Prestige. Die Pädagogischen Hochschulen haben ähnliche Herausforderungen zu meistern. Umso erfreulicher zeigt sich die Kooperation der Institutionen in diversen Bereichen. Exemplarisch für die positiven Effekte einer vernetzten Hochschulpädagogik kann die Studienreise nach Israel (23.Aug.-1.Sept.) angesehen werden, an der ich als Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule FHNW teilnehmen durfte. Die Exkursion stellte den Besuch der International School of Holocaust Studies in Yad Vashem/Jerusalem in den Mittelpunkt.

Organisiert wurde die Reise vom Institut Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen der PH Luzern mit Unterstützung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) sowie der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Besonders an der Organisation ist, dass Studierende der Pädagogischen Hochschulen FHNW, Bern und Zürich die Möglichkeit erhalten haben, sich ebenfalls für diese Studienreise zu bewerben. Es entstand eine heterogene Gruppe aus verschiedenen Kantonen und verschiedener Semesteranzahl und Schwerpunkten. Eine solche Vielfalt an Perspektiven und Interessen förderte nicht nur den eigenen Umgang mit dem Thema Holocaust im Unterricht, sondern regte den Austausch der Studierenden und Dozierenden über die Themen der Lehrerbildung und Hochschulen im Allgemeinen an.

Das Programm war dicht gestaffelt und abwechslungsreich gestaltet. Fünf Tage gehörten der intensiven Arbeit in Yad Vashem. Hier wurden Vorträge gehalten, Workshops durchgeführt und Führungen durch die beeindruckende Anlage unternommen. Sämtliche Veranstaltungen waren auf das pädagogische Konzept des Holocaust Rememberance Center ausgerichtet. Es umfasst eine Fokussierung auf einzelne Schicksale, die exemplarisch für das Leid des Holocaust stehen. Diese Personalisierung rückt die Menschen in den Vordergrund und soll eine Verallgemeinerung der Opfer verhindern.

In Kombination mit dem zweiten pädagogischen Ansatz bildet der biographische Zugang das didaktische Fundament in Yad Vashem. So sollen die einzelnen Schicksale nicht nur die Zeit der Verfolgung und Gefangenschaft thematisieren, da dies die Personen und Familien in eine Opferrolle hineindrängt, die ihnen nicht gerecht wird. Vielmehr sollen sämtliche Biographien in einer zeitlichen Dreiteilung betrachtet werden: Vorher, während und nach dem Holocaust. Das Vorher thematisiert das vielfältige Leben in der europäischen Gesellschaft, von Familien, welche die lokale bürgerliche Lebensweise teilten, bis hin zu frommen Gläubigen. Durch die unbeschreiblichen Ereignisse des Holocaust erlebte dieser Alltag eine abrupte Zäsur, die durch die Thematisierung der Vorgeschichte greifbar wird. Ähnlich verhält es sich mit dem Danach, welches im Geschichtsunterricht meist keine tragende Rolle spielt. Yad Vashem versucht zu diesem Zweck einen engen Kontakt zu Überlebenden zu pflegen. Unsere Gruppe hatte die Ehre und das Glück mit Naftali Fürst einen Menschen zu treffen, der die Schrecken des Holocaust miterlebt hatte. Aus meiner Sicht stellte diese Begegnung für sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Höhepunkt der Reise da.

Für die Möglichkeit die Studienreise nach Yad Vashem teilzunehmen, möchte ich an dieser Stelle nicht nur Barbara Sommer und sämtlichen Förderern danken, sondern auch den beteiligten Pädagogischen Hochschulen. Ich wünsche mir, dass sich durch die Zusammenarbeit vermehrt Gelegenheiten für Studierende kreieren lassen, in den Austausch mit angehenden Lehrpersonen unterschiedlicher Institutionen zu treten.

Marvin Rees

Für weitere Informationen zum pädagogischen Konzept, den beteiligten Personen und Unterrichtsmaterialien: www.yadvashem.org

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