13-18 PhD / Teacher Beliefs und Zeitgeschichte

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Dissertationsprojekt: Beliefs und Zeitgeschichte – Eine Untersuchung der berufsbezogenen Überzeugungen von Geschichtslehrerinnen und -lehrern an Gymnasien des Ruhrgebiets in der Berufseinstiegsphase (Verfahren an der Ruhr-Universität Bochum)

 

DoktorandJennifer Lahmer

Betreuer: Prof. Dr. Marko Demantowsky
Mitglieder des Promotionskomitees: Prof. Dr. Gabriele Bellenberg / Prof. Dr. Marko Demantowsky / Prof. Dr. Christian Reintjes

 

Projektzeitraum (gesamt): Februar 2013 – 2018

Projektabschluss: September 2018

 

KurzbeschriebDa „Geschichte“ ein Schlüssel zum eigenen Umweltverständnis darstellt, kommt der Zeitgeschichte eine besondere Rolle zu. Denn zum einen bietet die Beschäftigung mit diesem Zeitabschnitt historisch-politische Orientierung bei gleichzeitiger Erhellung aktueller Probleme und kommt so einem elementaren menschlichen Bedürfnis nach. Zum anderen ist Zeitgeschichte die Epoche, deren Ereignisse die jeweils lebenden Menschen miterlebt haben. Aufgrund dieses engen Bezugs zur Lebenswelt, auch für Schülerinnen und Schüler, ist Zeitgeschichte ebenfalls für das Schulfach Geschichte von enormer Bedeutung. So können bspw. Gegenwartsbezüge historische Lernprozesse erleichtern, wobei gleichzeitig von einer höheren Motivation seitens der Lernenden auszugehen ist, wenn zeitgeschichtliche Inhalte im Fokus des Unterrichts stehen.

Doch werden diese Möglichkeiten und Chancen im Geschichtsunterricht genutzt? Ausgehend von der Annahme, dass Geschichtslehrpersonen einen Schlüsselfaktor für ihren Fachunterricht darstellen, soll sich diese Untersuchung mit den Überzeugungen von Lehrpersonen des Faches Geschichte zur Zeitgeschichte und deren Umsetzung im Unterricht befassen. In diesem Zusammenhang soll unter anderem den Fragen nach dem zeitgeschichtlichen Begriffsverständnis, der von den Lehrpersonen wahrgenommenen Relevanz dieser Epoche sowie der Einbettung und Umsetzung zeitgeschichtlicher Inhalte im Geschichtsunterricht nachgegangen werden.

 

Während Lehrkräfte und ihre Beliefs im Bereich der Erziehungswissenschaften und in vielen naturwissenschaftlichen Fächern, vor allem der Mathematikdidaktik, schon seit längerem im Fokus der Forschung stehen, wurden geistes- und sozialwissenschaftliche Lehrerinnen und Lehrer noch nicht in diesem Umfang untersucht. Allerdings beschäftigt sich auch die Geschichtsdidaktik zunehmend mit ‚ihren’ Lehrpersonen und hat einige empirische Arbeiten hervorgebracht. Gewinnbringend erscheint die Untersuchung der Überzeugungen von Geschichtslehrerinnen und –lehrern insbesondere im Hinblick auf die Epoche der Zeitgeschichte, weil weder in der erziehungswissenschaftlichen Belief-Forschung noch in fachspezifischen Projekten bisher ein solcher thematischer Zuschnitt erfolgte bzw. im Fokus einer empirischen Untersuchung stand.

Für die Durchführung des Projektes konnten 20 Geschichtslehrerinnen und –lehrer von Gymnasien des Ruhrgebiets gewonnen werden, da anzunehmen ist, dass Gymnasiallehrpersonen ein eigenes und besonders ausgeprägtes fachspezifisches Berufsverständnis haben. Zudem stehen Geschichtslehrkräfte in der Berufseinstiegsphase im Mittelpunkt der Studie. Begründet ist dies einerseits damit, dass sich in dieser Phase lang eingespielte Überzeugungen manifestieren und diese gleichzeitig im Rahmen der beruflichen Sozialisation von Lehrpersonen eine bedeutende Rolle spielt. Andererseits sind die Jahre des Berufseinstiegs die wohl am meisten erforschten, so dass es möglich ist, auf entsprechende Ergebnisse zurückzugreifen und diese gleichzeitig fachspezifisch auszudifferenzieren, insbesondere im Hinblick auf die bisher vorhanden Phasenmodelle.

Als Vergleichsgruppe fungieren vier schweizerische Geschichtslehrpersonen, was deshalb sinnvoll erscheint, weil Zeitgeschichte oftmals national geprägt ist und zudem im Rahmen der Belief-Forschung häufig schweizerische mit deutschen Lehrerinnen und Lehrerin vergleichend untersucht wurden, so dass hier auf die daraus resultierenden Erkenntnisse rekurriert werden kann.

Im Sinne der Triangulation wurden die berufsbezogenen Überzeugungen dieser Geschichtslehrpersonen mit differierenden und sich ergänzenden methodischen Verfahren erhoben. In einem ersten Schritt kam ein Fragebogen zum Einsatz, welcher Daten zum sozialen Hintergrund der Probanden, zu ihrer Schullaufbahn und Berufsbiografie, zu ihren fachlichen Grundüberzeugungen sowie zu der Herkunft ihres Geschichtsbildes und ihr Geschichtsinteresse erhoben hat. Im Folgenden wurden mithilfe eines Leitfadens Interviews geführt, die Fragen und Impulse zur beruflichen Selbstwahrnehmung der Probanden, zu persönlichen Interessen, ihren Vorstellungen von (gutem) Geschichtsunterricht sowie zur Rolle der Zeitgeschichte und das Verständnis der Lehrkräfte von dieser Epoche sowie möglichen Einflussfaktoren enthielten. Da zu weiteren denkbaren Erhebungsverfahren für Beliefs überdies Auswertungen von Materialien oder Aufzeichnungen der Probanden gehören, wurden die Lehrpersonen des Weiteren gebeten, im Rahmen der Haupterhebung je eine schriftliche und eine bildliche Quelle zum Gespräch mitzubringen. Da Quellen einen elementaren Bestandteil der Planung und Durchführung von Geschichtsunterricht bilden, erscheinen sie im Bezug auf die Beliefs von Geschichtslehrkräften hinsichtlich der Epoche der Zeitgeschichte bedeutsam.

Die Auswertung des so erhobenen Datenmaterials erfolgt nach Mayrings qualitativer Inhaltsanalyse, nach der ein systematischer Umgang mit dem Kommunikationsmaterial das Ziel der Analyse darstellt. In einer Kombination aus deduktiver und induktiver Kategorienbildung ist es möglich, einerseits zentrale Aspekte des Forschungsinteresses, die sich im Leitfaden wiederfinden, zu berücksichtigen, aber gleichzeitig weitere Erkenntnisse aus dem Material zu gewinnen.

Auf diese Weise sollen Hinweise auf die zeitgeschichtsdidaktischen Überzeugungen von Geschichtslehrpersonen in der Berufseinstiegsphase gewonnen werden.

 

F&E-Kontext aus Professur:

  • Marko Demantowsky / Bernd Schönemann (Hrsg.): Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik. Schnittmengen – Problemhorizonte – Lernpotential. Projektverlag, Bochum 2004 (Dortmunder Arbeiten zur Schulgeschichte und zur historischen Didaktik, Bd. 33).
  • Marko Demantowsky et al. (Hrsg.): Zur Professionalisierung von Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrern – nationale und internationale Perspektiven. Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 2013 (Beihefte zur Zeitschrift für Geschichtsdidaktik, 5).