15-19 PhD / Geschichte des Unterrichtsfachs Geographie in der Deutschschweiz

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Dissertationsprojekt: Die Geschichte des Unterrichtsfachs Geographie in der Deutschschweiz im 20. Jahrhundert

 

Doktorand: Daniel Siegenthaler lic. phil.

Erstbetreuer: Prof. Dr. Marko Demantowsky
Zweitbetreuer: Prof. Dr. Rita Schneider-Sliwa

Förderinstitution: Pädagogische Hochschule FHNW (Arbeitszeitentlastung bei einem Dissertations- oder Habilitationsprojekt / 3 Jahre)

 

Projektzeitraum (gesamt): September 2015 – August 2019

Projektbeginn: 2015

 

Kurzbeschrieb: Eine disziplin- und unterrichtsfachgeschichtliche Studie zur geographischen Bildung in der Schweiz im 20. Jahrhunderts. Das Schulfach Geographie – wie hat es sich in der Schweiz im 20. Jahrhundert auf der Sekundarstufe II entwickelt? Bildete es – zwischen natur- und geisteswissenschaftlichen Fächern – eher eine interdisziplinäre Brücke oder Insel im disziplinären Niemandsland? Blieb es im länderkundlichen Prinzip gefangen oder konnte es sich über Problemorientierung und Fallbearbeitung profilieren?

 

Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage nach der Konstruktion des Schulfachs Geographie: Was macht das Schulfach Geographie aus? Was soll gelehrt werden? Konstitutive Elemente sind die Ziele, die Inhalte und die Methoden des Schulfachs.

Ein weiteres Erkenntnisinteresse bezieht sich auf die Ordnungsprinzipien des Schulfachs Geographie.  Es handelt sich dabei um die Ordnungsprinzipien der Inhalte, die sich an fachwissenschaftlichen Ordnungsmustern orientieren. Auch didaktische Prinzipien oder Modelle spielen eine Rolle, wie zum Beispiel das länderkundliche Schema oder die Problemorientierung. Es geht auch um die Anordnung, die Reihenfolge sowie die Verteilung auf die zur Verfügung stehende (Lern-)Zeit.

Weitere Fragen beziehen sich auf die Innovations- und Transformationsprozesse von neuen Inhalten und Methoden. Von wem und weshalb werden neue Inhalte des Schulfachs aufgebracht, auf welchen Wegen werden sie im Kanon explizit formuliert oder weshalb werden sie verworfen? Welche Gruppen oder Akteure übernehmen innovative Funktionen, welche beharrende? Aus welchen Gründen setzen sich Innovationen durch oder eben nicht?

Wie und in welcher Weise verändert sich der Status des Schulfachs Geographie?  Dabei geht es um die Ressourcen, das heisst insbesondere um die Zahl und die Verteilung der zur Verfügung stehenden (Schulfach-)Lektionen. Es geht aber auch um die Frage, ob das Schulfach geprüft wird oder nicht. Wie werden Veränderungen begründet und legitimiert? Von wem (interne und extern)?

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, welche Referenzsysteme für die Konstruktion und die Entwicklung des Schulfachs Geographie bedeutsam waren. In erster Linie geht es dabei um die Bedeutung der Fachwissenschaft und der Fachdidaktik. Eine weitere wichtige Funktion hat die Bildungspolitik, sowohl  auf kantonaler wie auch auf nationaler Ebene (z.B. die Konferenz der Erziehungsdirektoren).

Die Quellenbasis bildet einerseits das Archiv des Vereins Schweizer Geographielehrerinnen und – lehrer. Es beginnt 1910 und enthält die Protokolle der Vorstandssitzungen und Jahresversammlungen, Unterlagen zu Vereinsanlässen und Weiterbildungsveranstaltungen sowie  Diskussionspapiere und Dokumente. Für verschiedene Schulen liegen Jahresberichte vor, in denen die behandelten Themen pro Fach und Lehrperson aufgeführt wurden. Im Archiv der Alten Kantonsschule Aarau liegen diese praktisch vollständig für den Zeitraum von 1913/14 bis 1971/72 vor.

 

F&E-Kontext in der Professur:

  • Demantowsky Marko (2011): Zum Stand der disziplin- und ideengeschichtlichen Forschung in der Geschichtsdidaktik, in: Michael Wermke (Hg.): Tranformation und religiöse Erziehung. Kontinuitäten und Brüche des Religionspädagogik 1933 und 1945. Jena.
  • Demantowsky Marko (2003): Die Geschichtsmethodik in der SBZ und DDR – ihre konzeptuelle, institutionelle und personelle Konstituierung als akademische Disziplin 1945-1970, Idstein (Schriften zur Geschichtsdidaktik, 15).