16-20 R / Lehrpersonen im digitalen Wandel #LPiDW

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Forschungsprojekt: Lehren und Lernen in einer Lebenswelt totaler Digitalität. Fachdidaktische Untersuchungen zu Einstellungen, Werten und Wirklichkeitskonstruktionen angehender Lehrpersonen

 

Projektleitung: Prof. Dr. Marko Demantowsky

Projektmitarbeit: Dipl.-Päd. Robin Schmidt, Dr. Jan Hodel

Förderinstitution: Stifterverband der Deutschen Wissenschaft, Deutsches Stiftungszentrum (Essen, DE)

Kooperationen: #TCDTE (intern), Zentrum für Internetabhängigkeit an der Ruhr-Universität Bochum (extern)

Projektzeitraum: September 2016 – August 2020

Projektbeginn: September 2016

 

Kurzbeschrieb: Die nahezu hundertprozentige Verbreitung von Smartphones bei jungen Erwachsenen in den letzten Jahren hat zu einer Symbiose von Technologien, Kommunikationsweisen und Lebensformen geführt. Entsprechend zeichnet sich das Digitale heute durch eine selbstverständlich vorausgesetzte Gegenwart in allen Lebensformen aus. In diesem vierjährigen Projekt wird erforscht, welche Folgen diese Selbstverständlichkeit für die kommende, jetzt in die Ausbildung eintretende Generation von Lehrpersonen hat: für die künftige Schule, den Unterricht und insbesondere für die Didaktik der Gesellschaftswissenschaften.

 

Die Erziehungswissenschaften und Fachdidaktiken haben den digitalen Wandel bisher vor allem unter der Perspektive neuer Medien untersucht: den Gebrauch, die Einbindung, des Nutzens und Nachteils neuer Technologien für den Unterricht. Für die jetzt ins Studium eintretende Generation von angehenden Lehrerinnen und Lehrern stellt dies Neue heute ein Selbstverständliches dar, das in seinen sozialen, biografischen, identitätsbildenden Funktionen möglicherweise als eine eigene Lebenswelt beschrieben werden kann, in der nunmehr „Leben“ selbstverständlich stattfindet und die künftige Lehr-Lernsituationen in unbekanntem Masse prägt.

Über die mit dieser Selbstverständlichkeit verbundenen Veränderungen von Werten, Wirklichkeitskonstruktionen und Einstellungen von angehenden Lehrerinnen und Lehrern wissen wir bisher wenig. Kann man von einer „post-digitalen Lebenswelt“ sprechen, die sich dadurch auszeichnet, dass der Unterschied zwischen digital und analog unbeobachtbar geworden ist, weil das einstmals neue Digitale bereits zur Voraussetzung des Lebens geworden ist? Haben diese Veränderungen paradigmatischen Charakter für das Dasein, für Biographie und Kommunikation?

Der Kern dieses vierjährigen Forschungsprojekts bildet eine dreistufige empirische Untersuchung mit angehender und praktizierender Lehrpersonen für die Regelschule (Sek I und II) für die Fächer Geschichte, Geographie und Philosophie in der Schweiz sowie eine Kontrollgruppe. Anhand der verschiedenen Dimensionen des Begriffs der „Lebenswelt soll v.a. durch qualitative Methoden fassbar werden, welche neuen Selbstverständlichkeiten möglicherweise entstanden sind. Im Mittelpunkt steht die aktuelle Praxis im Umgang mit der Digitalität sowie die dafür relevanten Grundüberzeugungen sowie auch die entsprechenden Zukunftsprojektionen. Die Studie arbeitet mit einer Kombination von Dokumentenproduktion, Gruppeninterviews und der Social-Media-Analyse.

Darüber hinaus wird auf die Daten einer langfristigen quantitativen Studie an der Professur zurückgegriffen (#TCDTE), die ebenfalls nach TPACK und den entsprechenden Beliefs fragt.

Der dritte ergänzende Zugriff wird in Kooperation mit der psychologischen Forschung zur Internetabhängigkeit in Kooperation mit PD Dr. Bert te Wildt (Ruhr-Universität Bochum) unternommen, einem ausgewiesenen Forscher zu diesem Themenkomplex (–> zuletzt). Dort entwickelte Skalen und Items sind über den ursprünglichen Fragehorizont hinaus anwendbar zur Erfassung des realen Mensch/(digitale) Maschine-Verhältnisses unserer Probanden, und sie vermögen wahrscheinlich Aufschluss darüber zu geben, welche tatsächlichen digitalen Alltagspraktiken hinter den von sozialen Erwartungen beeinflussten Selbstauskünften liegen.

Ausblick

Diese dann evtl. besser definierbar gemachten Voraussetzungen heutigen Lebens sollen einen Ausgangspunkt für fachdidaktische Innovationen bilden, die nicht auf normative Vorgaben für den Gebrauch von Medien angewiesen sind, sondern aus der Anerkennung der Lebenswelt einerseits und aus pädagogischen Werten andererseits gewonnen werden können. Kurskorrekturen in der Gestaltung des digitalen Wandels, didaktische Neuorientierungen und Schwerpunktsetzungen in den Unterrichtsfächern der Gesellschaftswissenschaften könnten die Folge sein.

 

F&E-Kontext in der Professur:

  • Demantowsky Marko (2015): Die Geschichtsdidaktik und die digitale Welt. Eine Perspektive auf spezifische Chancen und Probleme, in: Marko Demantowsky / Christoph Pallaske (Hg.): Geschichte lernen digital. Theorie – Empirie – Pragmatik. München.
  • Hodel Jan (2013): Verkürzen und Verknüpfen. Geschichte als Netz narrativer Fragmente – Wie Jugendliche digitale Netzmedien für die Erstellung von Referaten im Geschichtsunterricht verwenden, Bern.